Bildungsstätten
unter Kostendruck
Finanzielle Mittel werden immer knapper / Menschen aus Brennpunkten
werden ausgeschlossen
Vlotho (BoDo). Dass die vier überregional bekannten und seit Jahrzehnten
tätigen Bildungsstätten einen wichtigen Beitrag zum Renommee von Vlotho
beitragen, machten Heidi Kaiser, Dr. Zbigniew Wilkiewicz, Harald Meves
und Ahmed Ali Musa jetzt deutlich.
Offensiv: Ahmed Ali Musa, Gabi Bierstein, Zbigniew Wilkiewicz,
Harald Meves und
Heidi Kaiser (von links) präsentieren Vlotho als Stadt der Bildung.
Foto: Bodo Kohlmeyer
In
der vom Land ausgerufenen "Woche der Weiterbildungsoffensive" wurden
die Leiterin des Jugendhofs und die Leiter des Gesamteuropäischen
Studienwerks (GESW), der Stätte der Begegnung und des Arbeitskreises
Entwicklungspolitik (AKE) von der Volkshochschule (VHS) im Kreis Herford
unterstützt, repräsentiert von Gabi Bieberstein.
"Wir können mit Stolz darauf hinweisen, dass wir in jedem Jahr mehr
als 15 000 Teilnehmende in unseren Seminaren fortbilden", erklärte
Harald Meves, Geschäftsführer und Dozent der Stätte der Begegnung.
An den vier Bildungsstätten arbeiten auch in Teilzeit 60 versicherungspflichtig
Beschäftigte im technischen Dienst, in den Küchen, den Verwaltungen
und als Lehrende. Dazu komme eine große Schar von freien Mitarbeitern.
Man müsse sich vor Augen halten, dass die Arbeit der Bildungsstätten
eine gesellschaftspolitische Aufgabe erfülle, erklärte Zbigniew Wilkiewicz
vom GESW.
Zwar habe es Veränderungen im Angebot bei jedem der vier Vlothoer
Seminarhäuser ebenso gegeben wie bei der Volkshochschule, aber das
sei sich verändernden Ansprüchen, vor allem aber immer knapper werdenden
finanziellen Mitteln geschuldet.
Bildung kann sich nicht mehr jeder leisten
"Der Kostendruck, der auch von uns über die Seminargebühren weitergegeben
werden muss, schließt ganze Interessengruppen, zum Beispiel bei den
Erzieherinnen, in der Familienpädagogik, im Blick auf Kinder und Jugendliche
aus sozialen Brennpunkten praktisch aus", berichtete Heidi Kaiser,
die Leiterin des vom Landschaftsverband betriebenen Jugendhofs Vlotho.
Auch in diesem Bildungsbereich habe sich gezeigt, dass die Schwelle
zwischen denen, die sich Bildung noch leisten könnten und jenen, die
für die das finanziell nicht mehr möglich, sei immer höher werde.
Alle Bildungsstätten seien immer mehr darauf angewiesen, mit großem
bürokratischen Aufwand bei zurückgehendem Personalstand zusätzliche
Fördermittel heranzuziehen. Dabei garantiere gerade die politische
Jugend- und Erwachsenenbildung eine Teilhabe an der Gesellschaft und
am politischen Einsatz.
Deshalb bemühe man sich auch immer wieder um die Zusammenarbeit mit
Schulen, Institutionen und Organisationen in Vlotho und in der Region,
erläuterte AKE-Leiter Ahmed Ali Musa. Es gehe dabei verstärkt um Themen
aus den Bereichen Integration, Migration, interkulturelles Lernen
und Umweltbildung. Einig waren sich die vier Vlothoer und die VHS-Vertreterin
darin, dass alle Bildungsstätten ihren öffentlichen Auftrag ernst
nehmen und erfüllen wollen. Bildung dürfe nicht allein auf die berufliche
Verwertbarkeit reduziert werden. Es gehe um bürgerschaftliches Engagement,
Medienkompetenz, Bildungsberatung, Integrationsarbeit, lebensbegleitendes
Lernen, das Ziel mündige Menschen zu erreichen, sie in ihren Geschlechterrollen
zu stärken und Respekt und Zivilcourage zu fördern.
Im Blick darauf, dass im Jugendhof und im GESW bei zusammen knapp
10 000 Teilnehmenden auch viele Übernachtungsgäste nach Vlotho kommen
und darauf, dass die politische Jugend- und Erwachsenenbildung von
Vlotho ausgehend etwa 16 000 Menschen erreiche, könne man von einer
in jeder Beziehung vorzeigbaren Arbeit sprechen, die in den altgedienten,
aber sich immer weiter auch verändernden in Vlotho tätigen Bildungsstätten
geleistet werde, erklärt Harald Meves.