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18.11.2009 Vlothoer Anzeiger

Bildungsstätten unter Kostendruck
Finanzielle Mittel werden immer knapper / Menschen aus Brennpunkten werden ausgeschlossen

Vlotho (BoDo). Dass die vier überregional bekannten und seit Jahrzehnten tätigen Bildungsstätten einen wichtigen Beitrag zum Renommee von Vlotho beitragen, machten Heidi Kaiser, Dr. Zbigniew Wilkiewicz, Harald Meves und Ahmed Ali Musa jetzt deutlich.


Offensiv: Ahmed Ali Musa, Gabi Bierstein, Zbigniew Wilkiewicz, Harald Meves und
Heidi Kaiser (von links) präsentieren Vlotho als Stadt der Bildung. Foto: Bodo Kohlmeyer

In der vom Land ausgerufenen "Woche der Weiterbildungsoffensive" wurden die Leiterin des Jugendhofs und die Leiter des Gesamteuropäischen Studienwerks (GESW), der Stätte der Begegnung und des Arbeitskreises Entwicklungspolitik (AKE) von der Volkshochschule (VHS) im Kreis Herford unterstützt, repräsentiert von Gabi Bieberstein.

"Wir können mit Stolz darauf hinweisen, dass wir in jedem Jahr mehr als 15 000 Teilnehmende in unseren Seminaren fortbilden", erklärte Harald Meves, Geschäftsführer und Dozent der Stätte der Begegnung. An den vier Bildungsstätten arbeiten auch in Teilzeit 60 versicherungspflichtig Beschäftigte im technischen Dienst, in den Küchen, den Verwaltungen und als Lehrende. Dazu komme eine große Schar von freien Mitarbeitern. Man müsse sich vor Augen halten, dass die Arbeit der Bildungsstätten eine gesellschaftspolitische Aufgabe erfülle, erklärte Zbigniew Wilkiewicz vom GESW.

Zwar habe es Veränderungen im Angebot bei jedem der vier Vlothoer Seminarhäuser ebenso gegeben wie bei der Volkshochschule, aber das sei sich verändernden Ansprüchen, vor allem aber immer knapper werdenden finanziellen Mitteln geschuldet.

Bildung kann sich nicht mehr jeder leisten
"Der Kostendruck, der auch von uns über die Seminargebühren weitergegeben werden muss, schließt ganze Interessengruppen, zum Beispiel bei den Erzieherinnen, in der Familienpädagogik, im Blick auf Kinder und Jugendliche aus sozialen Brennpunkten praktisch aus", berichtete Heidi Kaiser, die Leiterin des vom Landschaftsverband betriebenen Jugendhofs Vlotho. Auch in diesem Bildungsbereich habe sich gezeigt, dass die Schwelle zwischen denen, die sich Bildung noch leisten könnten und jenen, die für die das finanziell nicht mehr möglich, sei immer höher werde.

Alle Bildungsstätten seien immer mehr darauf angewiesen, mit großem bürokratischen Aufwand bei zurückgehendem Personalstand zusätzliche Fördermittel heranzuziehen. Dabei garantiere gerade die politische Jugend- und Erwachsenenbildung eine Teilhabe an der Gesellschaft und am politischen Einsatz.

Deshalb bemühe man sich auch immer wieder um die Zusammenarbeit mit Schulen, Institutionen und Organisationen in Vlotho und in der Region, erläuterte AKE-Leiter Ahmed Ali Musa. Es gehe dabei verstärkt um Themen aus den Bereichen Integration, Migration, interkulturelles Lernen und Umweltbildung. Einig waren sich die vier Vlothoer und die VHS-Vertreterin darin, dass alle Bildungsstätten ihren öffentlichen Auftrag ernst nehmen und erfüllen wollen. Bildung dürfe nicht allein auf die berufliche Verwertbarkeit reduziert werden. Es gehe um bürgerschaftliches Engagement, Medienkompetenz, Bildungsberatung, Integrationsarbeit, lebensbegleitendes Lernen, das Ziel mündige Menschen zu erreichen, sie in ihren Geschlechterrollen zu stärken und Respekt und Zivilcourage zu fördern.

Im Blick darauf, dass im Jugendhof und im GESW bei zusammen knapp 10 000 Teilnehmenden auch viele Übernachtungsgäste nach Vlotho kommen und darauf, dass die politische Jugend- und Erwachsenenbildung von Vlotho ausgehend etwa 16 000 Menschen erreiche, könne man von einer in jeder Beziehung vorzeigbaren Arbeit sprechen, die in den altgedienten, aber sich immer weiter auch verändernden in Vlotho tätigen Bildungsstätten geleistet werde, erklärt Harald Meves.

 

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