18.03.2009 aus: RP-ONLINE Ratingen: Zeuge des Unfassbaren Ratingen (RP) Das Adam-Josef-Cüppers-Berufskolleg wollte ein dunkles Stück deutscher Geschichte für Jugendliche erlebbar machen. Deshalb sprach der Pole Tadeusz Sobolewicz in der Turnhalle der Schule über seine Erfahrungen im Konzentrationslager Auschwitz. Erlebte Geschichte – ein Schlagwort, das oft fällt. Doch wie man Jugendlichen ein Thema näherbringen kann, das sie selbst nie erlebt haben, bleibt häufig eine offene Frage. Das Adam-Josef-Cüppers-Berufskolleg hat es dennoch geschafft: mit einem Zeitzeugengespräch. Der Pole Tadeusz Sobolewicz sprach in der Turnhalle der Schule über seine Erfahrungen im Konzentrationslager Auschwitz. Die Idee dazu war bei einem Partnerprojekt mit einer Schule in der Nähe Krakaus entstanden und wurde von Johannes Schröder von der "Stätte der Begegnung" in Vlotho organisiert. Gefördert wurde das Projekt von der Europäischen Union, dem deutsch-polnischen Jugendwerk sowie der Berufsfachschule für Technik.
Die Nationalität und der große Altersunterschied zwischen dem 84-jährigen Sobolewicz und seinem Publikum führten zu keinerlei Identifikationsproblemen. Ganz im Gegenteil, Tadeusz Sobolewicz war genau im gleichen Alter wie seine Zuhörer gewesen, als er das erste Mal in ein Konzentrationslager (KZ) gebracht wurde: 17 Jahre. Einem persönlich Betroffenen von Auschwitz gegenüber zu stehen – das löste in den Schülern viel Interesse aus.
Die Schüler schienen wie gebannt von Sobolewiczs offener und detailreicher Darstellung seiner Vergangenheit. Dass er in Polen einmal ein bekannter Schauspieler war, merkte man ihm deutlich an: Immer wieder ging er auf und ab, ließ die Hände durch die Luft gleiten und veränderte die Stimme, wenn er von anderen Menschen sprach. Den Nazi-Jargon konnte er erschreckend gut imitieren. Den Schülern sah man deutlich an, dass sie sich von seinem Schicksal sehr betroffen fühlten. Während seines Vortrags mit dem passenden Titel "Aus der Hölle zurück" erzählte Sobolewicz aber nicht nur seine eigene Lebensgeschichte; immer wieder ermahnte er sein junges Publikum: "Ihr seid frei von Schuld an diesen Ereignissen. Aber jede Woche, jeden Tag muss gegen solches Unrecht gekämpft werden!" Als die Runde für Fragen von Seiten der Schüler eröffnet wurde, zeigten die Jugendlichen abermals reges Interesse an seinem persönlichen Schicksal. Besonders die Frage eines Mädchens lag den Schülern am Herzen: "Wie ist es für Sie, heute einem Deutschen gegenüber zu stehen?", fragte sie. "Löst das in Ihnen nicht immer noch bittere Gefühle aus?" Sobolewicz zuckte mit den Schultern und antwortete: "In der heutigen Welt haben wir keinen Platz mehr für Hass. Hass bringt niemanden weiter." Diese Menschlichkeit, die er sich trotz des Schreckens seiner Vergangenheit bewahrt hat, wird den Schülern wohl am meisten im Gedächtnis bleiben. |
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