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Das
Barockschloss mit seinem Park, die kleine Fachwerksiedlung drum herum,
in diesem Ambiente verströmt selbst der Betonbau des Gymnasiums Schloss
Neuhaus einen Flair von Exklusivität. Drüben im Schloss ist gerade eine
interessante Ausstellung zu sehen. "Bitte die Bilder anschauen, aber
pfleglich behandeln", platzt eine Lautsprecherstimme mitten in den Schulunterricht
hinein. Im benachbarten Barockschloss ist die Filiale der Stadtbibliothek,
erklärt Schulleiter Bernhard Gödde. Und die ist quasi ein Arbeitsraum
der Schule, die Schüler können sich dort reinsetzen und arbeiten. Dafür
hat Gödde gern die eigene Schulbücherei geschlossen.
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| Wirklich
mal eine echte Win-win-Situation: Die Bibliothek hat mehr Personal, länger
geöffnet und schafft dafür die Bücher an, die in der Schule gebraucht
werden. Und die Schüler können nicht nur in Ruhe arbeiten, sondern sie
lesen auch mal, was sie sonst noch interessiert. |
Gute
Schule
Mit dem Deutschen Schulpreis zeichnet der Bundespräsident jedes Jahr
hervorragende Schulen aus. Bewertet wird, ob eine Einrichtung ein
gutes Konzept für erfolgreiches Lernen verwirklicht hat. Den mit 100
000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt in diesem Jahr die Wartburg-
Grundschule in Münster. Die FR hat alle Preisträger in einer Serie
vorgestellt. Insgesamt hatten sich 250 Schulen beworben.
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Unterschiede
als Chance
Gymnasien sind nicht allzu häufig unter den Schulpreisträgern zu finden.
Das liegt daran, dass sie ein strukturelles Problem mit der geforderten
Heterogenität haben. Hier im GSN (Gymnasium Schloss Neuhaus) in einem
Vorort der ostwestfälischen Bischofs- und Universitätsstadt Paderborn
hat man die Unterschiedlichkeit der Schüler jedoch als Chance begriffen.
Die Lehrer haben das gemeinsame Ziel, sich um jeden Einzelnen zu kümmern.
Die Sitzenbleiberquote liegt an dieser Schule unter einem Prozent. Jedes
Jahr im März geht ein Fragebogen an alle Schüler. Damit überprüft Schulleiter
Gödde unter anderem, welche Kinder Nachhilfe bekommen.
"Und wenn das bei einem Fachlehrer acht Schüler sind, dann sage ich ihm:
Bei Ihnen unterrichten neun Leute, das kann nicht sein. Ich erwarte, dass
das abgebaut wird!" Stattdessen gibt es dann "Aufzugskurse" - in zehn
Wochen werden die Schüler in Englisch oder Französisch wieder auf das
Niveau der Klasse gehievt.
In Mathe geht es meistens nicht so schnell. Deshalb gibt es im Intranet
der Schule für jeden Schüler-Jahrgang einen Aufgabenpool. Daran kann jeder
zuhause arbeiten, bis er wieder den Stand der Klasse erreicht hat.
Die Lehrer interessieren sich nicht nur für den "output", die Noten. Gibt
es Probleme zuhause in der Familie? Guckt das Kind zu viel Fernsehen?
Wenn der Klassenlehrer nicht weiter weiß, wendet er sich an Hermann Eversmeier-Grobe,
der ist als Beratungslehrer für "Feuerwehr-Situationen" zuständig: Braucht
das Kind Hilfe von außen?
Können wir den Eltern helfen? Die Paderborner Schule hält etwas auf ihr
Leistungsprofil, aber die Lehrer haben offenbar von guten Haupt- oder
Gesamtschulen gelernt und sehen die Schüler als ganze Menschen.
Am Nachmittag gibt es Hausaufgabengruppen: Ältere Schüler betreuen die
Jüngeren. "Die Großen für die Kleinen" ist ein Motto der Schule. In der
Cafeteria sitzen die älteren Schüler mit den Jüngeren zusammen beim Essen.
"Und manchmal beobachte ich hier Oberstufenschülerinnen, die wie eine
Mutter am Mittagstisch fragen: Na, wie war es denn heute bei dir?"
Schulleiter Gödde will nicht nur eine Wohlfühl-Atmosphäre; hier soll Leistung
etwas gelten. Und zwar auch beim Fußball, bei den Musicals, beim Engagement
für die Jüngeren. Bei den jährlichen "GSN-Awards" gibt es Auszeichnungen
für Leistungen auf all diesen Gebieten.
Ausnahmslos alle Schüler nehmen im neunten Schuljahr am Austausch mit
einer der zehn Partnerschulen teil - von der Ukraine und Ungarn bis nach
Finnland und Spanien. Und in den Ferien bietet Schulleiter Gödde noch
persönlich eine vierzehntägige Ferienfreizeit an.
Die Kontakte zu den Partnerschulen, den Unternehmen und Sponsoren vor
Ort - Gödde sieht sich weniger als leitenden Beamten als vielmehr als
Chef eines mittelständischen Unternehmens: "Vom Personal und der Bilanzsumme
sind wir sicher damit vergleichbar".
Doch eine Schule braucht nicht nur einen umtriebigen Chef, sondern auch
engagierte Lehrer, die sich mit ihrer Schule identifizieren und nicht
jede Zusatzarbeit aufs Stundendeputat angerechnet bekommen möchten. Dafür
stellt sich Gödde vor seine Lehrerinnen und Lehrer.
Man muss seine Kräfte gut einteilen, und da wird halt nicht alles, was
von oben aus dem Ministerium kommt, mit gleicher Energie umgesetzt, meint
er vorsichtig. "Wir springen nicht auf jeden neumodischen Schnickschnack
an", sagt Sozialkunde-Lehrer Hermann Eversmeier-Grobe. Den Schulpreis
habe man verdient, "weil wir solide arbeiten. Und solide Arbeit muss auch
mal belohnt werden." |