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- Die STÄTTE gratuliert dem Gymnasium Schloss Neuhaus (GSN)
zum 'Deutschen Schulpreis' -

Seit einigen Jahren kooperiert die Stätte der Begegnung mit dem Gymnasium Schloss Neuhaus bei der regelmäßigen Durchführung von SV-Seminaren und bei Seminaren zur Beruforientierung und Lebensplanung in der Jahrgangsstufe 11. Der folgende Beitrag entstammt der FRANKFURTER RUNDSCHAU vom 10.02.09.
Wohlfühl-Gymnasium"
Die Großen für die Kleinen
Von Karl-Heinz Heinemann


Foto: FR

Das Barockschloss mit seinem Park, die kleine Fachwerksiedlung drum herum, in diesem Ambiente verströmt selbst der Betonbau des Gymnasiums Schloss Neuhaus einen Flair von Exklusivität. Drüben im Schloss ist gerade eine interessante Ausstellung zu sehen. "Bitte die Bilder anschauen, aber pfleglich behandeln", platzt eine Lautsprecherstimme mitten in den Schulunterricht hinein. Im benachbarten Barockschloss ist die Filiale der Stadtbibliothek, erklärt Schulleiter Bernhard Gödde. Und die ist quasi ein Arbeitsraum der Schule, die Schüler können sich dort reinsetzen und arbeiten. Dafür hat Gödde gern die eigene Schulbücherei geschlossen.

Wirklich mal eine echte Win-win-Situation: Die Bibliothek hat mehr Personal, länger geöffnet und schafft dafür die Bücher an, die in der Schule gebraucht werden. Und die Schüler können nicht nur in Ruhe arbeiten, sondern sie lesen auch mal, was sie sonst noch interessiert.
Gute Schule
Mit dem Deutschen Schulpreis zeichnet der Bundespräsident jedes Jahr hervorragende Schulen aus. Bewertet wird, ob eine Einrichtung ein gutes Konzept für erfolgreiches Lernen verwirklicht hat. Den mit 100 000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt in diesem Jahr die Wartburg- Grundschule in Münster. Die FR hat alle Preisträger in einer Serie vorgestellt. Insgesamt hatten sich 250 Schulen beworben.
Unterschiede als Chance
Gymnasien sind nicht allzu häufig unter den Schulpreisträgern zu finden. Das liegt daran, dass sie ein strukturelles Problem mit der geforderten Heterogenität haben. Hier im GSN (Gymnasium Schloss Neuhaus) in einem Vorort der ostwestfälischen Bischofs- und Universitätsstadt Paderborn hat man die Unterschiedlichkeit der Schüler jedoch als Chance begriffen. Die Lehrer haben das gemeinsame Ziel, sich um jeden Einzelnen zu kümmern.

Die Sitzenbleiberquote liegt an dieser Schule unter einem Prozent. Jedes Jahr im März geht ein Fragebogen an alle Schüler. Damit überprüft Schulleiter Gödde unter anderem, welche Kinder Nachhilfe bekommen.

"Und wenn das bei einem Fachlehrer acht Schüler sind, dann sage ich ihm: Bei Ihnen unterrichten neun Leute, das kann nicht sein. Ich erwarte, dass das abgebaut wird!" Stattdessen gibt es dann "Aufzugskurse" - in zehn Wochen werden die Schüler in Englisch oder Französisch wieder auf das Niveau der Klasse gehievt.

In Mathe geht es meistens nicht so schnell. Deshalb gibt es im Intranet der Schule für jeden Schüler-Jahrgang einen Aufgabenpool. Daran kann jeder zuhause arbeiten, bis er wieder den Stand der Klasse erreicht hat.

Die Lehrer interessieren sich nicht nur für den "output", die Noten. Gibt es Probleme zuhause in der Familie? Guckt das Kind zu viel Fernsehen? Wenn der Klassenlehrer nicht weiter weiß, wendet er sich an Hermann Eversmeier-Grobe, der ist als Beratungslehrer für "Feuerwehr-Situationen" zuständig: Braucht das Kind Hilfe von außen?

Können wir den Eltern helfen? Die Paderborner Schule hält etwas auf ihr Leistungsprofil, aber die Lehrer haben offenbar von guten Haupt- oder Gesamtschulen gelernt und sehen die Schüler als ganze Menschen.

Am Nachmittag gibt es Hausaufgabengruppen: Ältere Schüler betreuen die Jüngeren. "Die Großen für die Kleinen" ist ein Motto der Schule. In der Cafeteria sitzen die älteren Schüler mit den Jüngeren zusammen beim Essen. "Und manchmal beobachte ich hier Oberstufenschülerinnen, die wie eine Mutter am Mittagstisch fragen: Na, wie war es denn heute bei dir?"

Schulleiter Gödde will nicht nur eine Wohlfühl-Atmosphäre; hier soll Leistung etwas gelten. Und zwar auch beim Fußball, bei den Musicals, beim Engagement für die Jüngeren. Bei den jährlichen "GSN-Awards" gibt es Auszeichnungen für Leistungen auf all diesen Gebieten.

Ausnahmslos alle Schüler nehmen im neunten Schuljahr am Austausch mit einer der zehn Partnerschulen teil - von der Ukraine und Ungarn bis nach Finnland und Spanien. Und in den Ferien bietet Schulleiter Gödde noch persönlich eine vierzehntägige Ferienfreizeit an.

Die Kontakte zu den Partnerschulen, den Unternehmen und Sponsoren vor Ort - Gödde sieht sich weniger als leitenden Beamten als vielmehr als Chef eines mittelständischen Unternehmens: "Vom Personal und der Bilanzsumme sind wir sicher damit vergleichbar".

Doch eine Schule braucht nicht nur einen umtriebigen Chef, sondern auch engagierte Lehrer, die sich mit ihrer Schule identifizieren und nicht jede Zusatzarbeit aufs Stundendeputat angerechnet bekommen möchten. Dafür stellt sich Gödde vor seine Lehrerinnen und Lehrer.

Man muss seine Kräfte gut einteilen, und da wird halt nicht alles, was von oben aus dem Ministerium kommt, mit gleicher Energie umgesetzt, meint er vorsichtig. "Wir springen nicht auf jeden neumodischen Schnickschnack an", sagt Sozialkunde-Lehrer Hermann Eversmeier-Grobe. Den Schulpreis habe man verdient, "weil wir solide arbeiten. Und solide Arbeit muss auch mal belohnt werden."

 

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