10.02.2009
Das Barockschloss mit seinem Park, die kleine Fachwerksiedlung drum herum, in diesem Ambiente verströmt selbst der Betonbau des Gymnasiums Schloss Neuhaus einen Flair von Exklusivität. Drüben im Schloss ist gerade eine interessante Ausstellung zu sehen. "Bitte die Bilder anschauen, aber pfleglich behandeln", platzt eine Lautsprecherstimme mitten in den Schulunterricht hinein. Im benachbarten Barockschloss ist die Filiale der Stadtbibliothek, erklärt Schulleiter Bernhard Gödde. Und die ist quasi ein Arbeitsraum der Schule, die Schüler können sich dort reinsetzen und arbeiten. Dafür hat Gödde gern die eigene Schulbücherei geschlossen.
Unterschiede als Chance Die Sitzenbleiberquote liegt an dieser Schule unter einem Prozent. Jedes Jahr im März geht ein Fragebogen an alle Schüler. Damit überprüft Schulleiter Gödde unter anderem, welche Kinder Nachhilfe bekommen. "Und wenn das bei einem Fachlehrer acht Schüler sind, dann sage ich ihm: Bei Ihnen unterrichten neun Leute, das kann nicht sein. Ich erwarte, dass das abgebaut wird!" Stattdessen gibt es dann "Aufzugskurse" - in zehn Wochen werden die Schüler in Englisch oder Französisch wieder auf das Niveau der Klasse gehievt. In Mathe geht es meistens nicht so schnell. Deshalb gibt es im Intranet der Schule für jeden Schüler-Jahrgang einen Aufgabenpool. Daran kann jeder zuhause arbeiten, bis er wieder den Stand der Klasse erreicht hat. Die Lehrer interessieren sich nicht nur für den "output", die Noten. Gibt es Probleme zuhause in der Familie? Guckt das Kind zu viel Fernsehen? Wenn der Klassenlehrer nicht weiter weiß, wendet er sich an Hermann Eversmeier-Grobe, der ist als Beratungslehrer für "Feuerwehr-Situationen" zuständig: Braucht das Kind Hilfe von außen? Können wir den Eltern helfen? Die Paderborner Schule hält etwas auf ihr Leistungsprofil, aber die Lehrer haben offenbar von guten Haupt- oder Gesamtschulen gelernt und sehen die Schüler als ganze Menschen. Am Nachmittag gibt es Hausaufgabengruppen: Ältere Schüler betreuen die Jüngeren. "Die Großen für die Kleinen" ist ein Motto der Schule. In der Cafeteria sitzen die älteren Schüler mit den Jüngeren zusammen beim Essen. "Und manchmal beobachte ich hier Oberstufenschülerinnen, die wie eine Mutter am Mittagstisch fragen: Na, wie war es denn heute bei dir?" Schulleiter Gödde will nicht nur eine Wohlfühl-Atmosphäre; hier soll Leistung etwas gelten. Und zwar auch beim Fußball, bei den Musicals, beim Engagement für die Jüngeren. Bei den jährlichen "GSN-Awards" gibt es Auszeichnungen für Leistungen auf all diesen Gebieten. Ausnahmslos alle Schüler nehmen im neunten Schuljahr am Austausch mit einer der zehn Partnerschulen teil - von der Ukraine und Ungarn bis nach Finnland und Spanien. Und in den Ferien bietet Schulleiter Gödde noch persönlich eine vierzehntägige Ferienfreizeit an. Die Kontakte zu den Partnerschulen, den Unternehmen und Sponsoren vor Ort - Gödde sieht sich weniger als leitenden Beamten als vielmehr als Chef eines mittelständischen Unternehmens: "Vom Personal und der Bilanzsumme sind wir sicher damit vergleichbar". Doch eine Schule braucht nicht nur einen umtriebigen Chef, sondern auch engagierte Lehrer, die sich mit ihrer Schule identifizieren und nicht jede Zusatzarbeit aufs Stundendeputat angerechnet bekommen möchten. Dafür stellt sich Gödde vor seine Lehrerinnen und Lehrer. Man muss seine Kräfte gut einteilen, und da wird halt nicht alles, was von oben aus dem Ministerium kommt, mit gleicher Energie umgesetzt, meint er vorsichtig. "Wir springen nicht auf jeden neumodischen Schnickschnack an", sagt Sozialkunde-Lehrer Hermann Eversmeier-Grobe. Den Schulpreis habe man verdient, "weil wir solide arbeiten. Und solide Arbeit muss auch mal belohnt werden." |
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