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05.02.2009, Neue Westfälische
Gegen die Politikverdrossenheit
Kreis-Schülervertretung besuchte Hauptstadt / Schüler und Lehrer lernen gemeinsam in einer Demokratiewerkstatt


Foto: NW

Bünde. Die Kreis-Schülervertretung der Haupt- und Förderschulen unter Leitung der Kreis-SV-Lehrer Eckhard Schröter, Elke Schoenfelder (Hauptschule Bünde) und Johannes Schröder (Stätte der Begegnung e.V. Vlotho) suchten innerhalb von drei Tagen im Rahmen einer Demokratiewerkstatt in Berlin nach geschichtlichen Spuren, vollzogen Wege der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung nach und erlebten internationale Kultur.

Darüber hinaus konnten die 16-18-jährigen Schülerinnen und Schüler sowie ihre begleitenden SV-Lehrer durch den Besuch des Reichstags und in einem anschließenden Gedankenaustausch mit dem Bundestagsabgeordneten Wolfgang Spanier (SPD) einen Einblick in die alltägliche Arbeit des deutschen Bundestages nehmen.

Wie Elke Schoenfelder mitteilt, habe sich ein interessantes Gespräch über Themen wie Armut in unserer Gesellschaft, Existenzminimum, Chancengleichheit und Bildung entwickelt. Dabei sieht Wolfgang Spanier eine große Bedeutung in der weiteren Entwicklung von Ganztagsschulen. "Er wirkte insgesamt sehr glaubwürdig und erfahren auf die Teilnehmer."

Im Anschluss an das politische Berlin setzte sich die SV-Gruppe mit einem historischen Aspekt der Hauptstadtgeschichte auseinander: "Grenzblicke - 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer".

Im Dokumentationszentrum an der Bernauer Straße wurden den Jugendlichen die Entwicklung und das System des Todesstreifens verständlich dargestellt. Dokumentationen über Fluchtversuche und Familientrennungen hinterlassen auch heute noch Emotionen bei Menschen, die keine Zeitgenossen sind.

"Die Mauer zu berühren und die Wirkung der Teilung nachzuspüren, sind einfach wirkungsvoller als reiner Unterricht aus einem Geschichtsbuch", war die einhellige Meinung vieler Schülersprecher.

Was wäre ein Hauptstadtbesuch ohne Kulturprogramm. Mit großer Begeisterung erlebten die Teilnehmer das Berlin-Musical "Linie 1" des Jugendtheaters Grips. Das Musical thematisiert das Leben und Überleben in der Großstadt. Eine junge Ausreißerin aus der Provinz landet mitten im alten West-Berlin der 80er Jahre. Sie ist auf der Suche nach ihrem Märchenprinzen, einem Berliner Rockmusiker, und bleibt auf der U-Bahn-Linie 1 hängen, dem "Orientexpress" nach Kreuzberg. Hier wird sie mit den sozialen Alltäglichkeiten konfrontiert.

Ein Besuch im ZDF-Hauptstadtstudio vermittelte einen Eindruck davon, wie die Bundespolitik auf unsere heimischen Bildschirme kommt. Zufällig sei zeitgleich im Nachbarstudio Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen interviewt worden. Die Demokratiewerkstatt endete mit einer Führung im Schöneberger Rathaus durch eine Willy Brandt- Ausstellung, der hier als Regierender Bürgermeister seinen Arbeitsplatz hatte. Die hier festgehaltenen Reden, Fotos und Dokumente des Kennedy-Besuchs 1963 waren der Anlass für Parallelen zum Obama-Auftritt im vorigen Jahr in Berlin.

Bei einem Resümee am Schluss wurde deutlich, dass eine überwiegende der Teilnehmer mit den Programminhalten zufrieden waren. Zum anderen konnten die Schülersprecherinnen und sprecher bestätigen, dass sie nach diesen drei Tagen politische Sachverhalte besser beurteilen und einige Jugendliche sich durchaus ein noch stärkeres Engagement in politischen Fragen vorstellen können. "Gerade bei zunehmender Politikverdrossenheit ist ein Seminar wie diese Demokratiewerkstatt ein zentraler Baustein im Gesellschaftslehreunterricht", betonten Elke Schoenfelder und Johannes Schröder.

 

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