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26.09.2008 Vlothoer Anzeiger

Keine Antwort auf ein "Warum"
Ausstellung "Das Leben vor der Katastrophe" im Rathaus eröffnet / Gemeinschaftsprojekt

Vlotho (va). "Ich würde diese Menschen als dumm bezeichnen. Sie waren zu faul, um sich selber ein Bild von der Wirklichkeit zu machen", urteilt eine Schülerin des Weser-Gymnasiums über Mitläufer im zweiten Weltkrieg.
Von Stefanie Bollmeier

Diese und andere Statements bieten eine ganz individuelle Sicht auf die Geschehnisse zur Zeit des Nationalsozialismus. Sie alle sind zusammengefasst in der Ausstellung "Die Welt vor der Katastrophe - Alltagsleben und Kultur von Juden in Polen und Deutschland zwischen den Weltkriegen anhand ausgewählter Biographien", die gestern im Rathaus eröffnet wurde. 24 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und Polen haben diese Ausstellung gemeinsam entwickelt und in 18 Kollagen zusammengetragen, was die Beschäftigung mit der Geschichte für sie bedeutet. "Die Schüler haben nicht nur Wissen wiederholt, oder abgeschrieben, sondern ihre eigenen Gefühle mit eingebracht", freute sich Johannes Schröder von der Stätte der Begegnung, der das gesamte Projekt betreut hat, über die sehenswerten Ergebnisse.

"Für unsere Recherche waren wir eine Woche in Polen und haben dort mit Schülern eines Gymnasiums gemeinsam Informationen gesammelt", berichtet Anna Faber, Schülerin des WGV. Anschließend waren die Gymnasiasten aus Polen eine Woche lang in Vlotho zu Gast. Bei beiden Besuchen gab es die Gelegenheit, mit Zeitzeugen zu sprechen. In Polen berichtete Stella Müller-Madej darüber, wie sie als Elfjährige in das Krakauer Ghetto eingeliefert wurde. Überlebt habe sie nur, weil ihr Name auf der berühmten "Schindlers Liste" stand. In Herford konnten die Schüler ein Interview mit Walter Heinemann führen. "In dem Gespräch haben wir nicht nur Fakten gehört, wie im Schulunterricht, sondern es war ein sehr persönliches und emotionales Gespräch", erinnert sich Jannis Kachel. "Mich hat vor allem beeindruckt, dass er trotz der vielen schrecklichen Erlebnisse so eine positive Einstellung zum Leben hat", sagt Anna Faber. Sie habe vor allem die Frage beschäftigt, wie Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus zu solchen Tieren werden konnten.

Wie sie hat jeder Schüler einen eigenen Aspekt beleuchtet. So stellt sich ein Schüler die Frage nach Schuld und Verantwortung, ein anderer nach dem Verhältnis von Mensch und Glaube mit der Feststellung, dass es keine Antwort auf ein "Warum" gibt. "Vorurteile, Ausgrenzung und Abschiebung erfahren auch heute noch bestimmte Gruppen unter uns", lautet das Fazit einer anderen Arbeit.

Ein dickes Lob gab es von den anwesenden Mitgliedern der Mendel-Grundmann-Gesellschaft. "Mir gefallen die unterschiedlichen Aspekte sehr gut und die Ausstellung ist vor allem optisch sehr ansprechend", sagte ein begeisterter Manfred Kluge.

Gewürdigt wurde das Engagement der Schüler auch von dem Unternehmen Lidl, das im Rahmen der Ausstellungseröffnung einen Scheck über 1000 Euro überreichte. Die Schüler hatten sich an der Aktion "Generationen verbinden" beteiligt und wurden gestern als Generationenteam 2008 ausgezeichnet. Die Aktion soll die Kommunikation zwischen den Generationen fördern. Insgesamt wurden sechs Projekte aus OWL prämiert.
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Ein weiterer Bericht ist auf der Homepage von Generationen verbinden erschienen.
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Hier noch einige Fotos der Eröffnungsveranstaltung:

 

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