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28./29.04.2007
Vlothoer Zeitung
 
Schüler werden Paten von Erstklässlern
Stätte der Begegnung startet an der Grundschule Vlotho Projekt "Starthilfe statt Nachhilfe"
Von Angelika K r ü c k e m e i e r (Text) und Oliver S c h w a b e (Foto)

V l o t h o (VZ).
»Es wäre gut gewesen, wenn wir früher selbst so etwas gehabt hätten.« Janne Meyer ist 16 und eine von 15 Schülerinnen und Schülern, die kleinen Lernanfängern mit unzureichenden Deutsch-Kenntnissen beim Einstieg ins Schulleben helfen wollen. »Starthilfe statt Nachhilfe« heißt das Projekt, das nach den Sommerferien startet und gestern vorgestellt wurde.

Engagieren sich für eine gute Sache: Anna Caroline Flörkemeier, Natascha Berger, Carolin Flemming, Sagla Belci, Philipp Kütemeier, Andreas Klippenstein, Julian Rolfes, Janne Meyer, Annika Schneider, Mirjam Westermann, Julia Bähr, Marvin Debus, Patrick Eickmeier, Niklas Rogge, Irina Wiens, Christine Randermann, Angelika Josting-Klingenberg, Heike Beckmann, Kristina Kuhr, Johannes Schröder.

Die Jüngsten sind 13, die Ältesten 16 Jahre alt. Alle sind Schüler der Realschule beziehungsweise des Weser-Gymnasiums. Und alle haben sich freiwillig auf den Aufruf der Stätte der Begegnung e.V. gemeldet, weil sie soziale Verantwortung übernehmen wollen, die Aufgabe interessant, das Ziel unterstützenswert finden: Kindern aus Migrationsfamilien den Schulstart zu erleichtern.

Ein Jahr lang werden die Jugendlichen im Rahmen dieser Patenschaft (»Peer Tutoring«) einmal wöchentlich versuchen, bei den Erstklässlern Spaß am Lernen zu wecken, ihnen auf vielfältige Weise Hilfestellung beim Erlernen der deutschen Sprache zu geben – zum Beispiel durch Vorlesen, Gespräche und Büchereibesuche – und bei den Hausaufgaben zu helfen.

Das Projekt ist bislang einmalig in der Weserstadt, wird von der Stätte der Begegnung geleitet und begleitet und außerdem betreut von Heike Beckmann, Schulsozialarbeiterin an der Realschule, Angelika Josting-Klingenberg, Lehrerin am Weser-Gymnasium, und Kristina Kuhr, Studentin freie Mitarbeiterin bei der »Stätte«. Ausgewählt für das Programm wurde die Grundschule Vlotho. Dort werden nach den Sommerferien 15 Kinder mit Migrationshintergrund eingeschult – so viele wie an keiner anderen örtlichen Grundschule.

30 Prozent der Kinder, die in jedem Jahr in Vlothos größter Grundschule aufgenommen werden, haben erhebliche Deutsch-Probleme. Zwar werde diesen Kindern schulische Förderung angeboten, aber damit allein könnten die sprachlichen Defizite nicht ausgeglichen werden, erklärt Grundschulleiterin Christine Randermann. »Wir sind deshalb dankbar für dieses Projekt und erhoffen uns von der Mithilfe der 15 Paten einen spürbaren Lernzuwachs.«

Die deutsche Sprache gilt als Schlüssel zu Integration und Bildung. Frühzeitiges Erlernen ist ein wichtiger Beitrag zur Chancengleichheit im späteren Berufsleben. »Das Projekt will deutlich machen, dass jeder etwas tun kann, damit Chancengleichheit für alle Kinder in unserem Bildungssystem entsteht«, sagt Johannes Schröder von der Stätte der Begegnung. Wie er weiter erläutert, werden die jugendlichen Paten in Seminaren, darunter ein dreitägiges in Berlin, auf ihre Aufgabe vorbereitet. Während des Projektjahrs treffen sie sich einmal im Monat mit ihren Betreuerinnen zu Erfahrungsaustausch und Beratung. Am Ende erhalten sie für ihr freiwilliges Engagement ein Zertifikat.

Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des Bundesfamilienministeriums und wird darüber hinaus von der Stiftung der Sparkasse Herford unterstützt. Als nächstes werden nun die Eltern der 15 Erstklässler eingeladen, das Angebot auch wahrzunehmen und ihren Kindern einen besseren Start in die Schullaufbahn zu ermöglichen.

 

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